Kunst-Botschafterin mit Charme Barbara von Stechow feiert 60. Geburtstag

Text und Fotos von Edda Rössler
veröffentlicht am 28. August 2019 in der Frankfurter Neuen Presse

Die Galerietür im Frankfurter Westend ist an diesem sonnigen Sommermorgen weit geöffnet. Auf den Bürgersteigen nebenan breiten Kellner weiße Decken über die Tische und tragen Geschirre auf, bald schon werden sich die ersten Mittagsgäste einstellen. Unser Blick richtet sich auf großzügige und geschmackvolle eingerichtete Räume, in denen die präsentierten Kunstwerke einen nahezu familiären Charakter vermitteln. So als hätten sie schon immer dort gehangen. Fotografien von Martin Joppen, zumeist Straßenszenen und ein künstlerisch verfremdetes Frankfurt, kontrastiert von atemberaubend ruhigen Landschaftsgemälden des Malers Wulf Winckelmann laden zum Betrachten ein. Unterschiedliche Medien, unterschiedliche Sujets, die sich jedoch harmonisch ergänzen. Schon begrüßt uns Barbara von Stechow, die mit ihrer Galerie in der Feldbergstraße seit 24 Jahren vertreten ist. Ein offenes Lächeln, ein herzlicher Händedruck zeigen, dass wir willkommen sind. Auch bei der Dame, die im dunklen Hosenanzug mit weißer Bluse ebenso sportlich wie elegant gekleidet ist, verspürt man gleich einen vertrauten Eindruck. Was so leicht und stilvoll daher kommt, ist Teil ihres Erfolgsrezepts. „Kontakten, vernetzen, das liegt mir“, bekennt sie. Ein Talent, das der Deutsch-Amerikanerin half, sich einen Namen in der Frankfurter Kunstwelt aufzubauen. Längst ist Barbara von Stechow ein Fixpunkt, wenn es um Kunst und Kunstvermittlung in der Stadt geht.

Barbara von Stechow – genießt die Kunst und das Leben (in ihrer aktuellen Ausstellungen mit Werken von Martin Joppen und Wulf Winckelmann)
Barbara von Stechow – genießt die Kunst und das Leben (in ihrer aktuellen Ausstellungen mit Werken von Martin Joppen und Wulf Winckelmann)

Kunst ist ihr Schicksal. In New York in den wilden 70er Jahren aufgewachsen, begeisterte sie sich früh für Kunst, insbesondere für Pop-Art. „Mich fasziniert, wenn Gegenstände aus ihrer alltäglichen Bestimmung herausgefiltert und in einem ästhetischen Zusammenhang neu definiert werden“, erklärt sie. Mag sein, dass die frühe Begegnung mit Andy Warhol und gelegentliche Besuche im legendären Studio 54 den Grundstein legten. Als die Tochter eines amerikanischen Bankers und einer Deutschen 1979 ursprünglich nur für ein paar Auslandssemester nach Frankfurt kam, blieb sie dann für immer, der Liebe wegen. Sie lernte ihren ersten Mann kennen, studierte Kunstgeschichte und wurde Mutter von drei Söhnen. Rasch stieg sie ins Geschäftsleben ein und leitete für zwei Jahre eine Galerie in Sachsenhausen.

Damit war das Rüstzeug für die eigene Galerie im Westend geschaffen, die 1995 ihre Pforten öffnete. Aufgrund ihrer Kontakte nach New York gelang es ihr, namhafte amerikanische Künstler wie Joe Stefanelli und Tom Christopher zu präsentieren. Eine Alleinstellung, die großen Anklang fand. Der damalige Hotspot der Kunst war New York und die Frankfurter kokettierten mit der Vision, dass es Gemeinsamkeiten von Manhattan und Mainhattan gäbe. Von Stechow, die zugleich die für ihre Künstler wichtige Verbindung von Wirtschaft und Kunst erkannte, engagierte sich früh in der Stadtgesellschaft. Städtische Exkursionen wie „Frankfurt meets New York“ wurden dank ihrer Beratung zum Erfolg. Auch wenn sich Frankfurt in Sachen Kunst mittlerweile weltläufiger und selbstbewusster präsentiert, der Einsatz in der Stadt, was die Mitgliedschaft in vielen Institutionen dokumentiert, ist ihr wichtig. Als Präsidentin des Union International Club e.V., der sich „den Dialog der Nationen und Kulturen“ auf die Fahnen schreibt, kann sie ihr Fingerspitzengefühl für Frankfurts Kulturszene einsetzen.

Der Verwandlung Frankfurts zur Kulturstadt versetzt sie regelrecht ins Schwärmen. „Wir haben das Museumsufer, viele, wichtige Galerien und interessante Kulturangebote.“ Selbstverständlich nimmt sie mit ihrer Galerie an der in Kürze erstmals stattfindenden Kunstmesse „Paper Positions“ im Flare teil. „Ich bin neugierig und offen für neue Angebote“, betont sie. So beteiligte sie auch als eine der wenigen Galerien an der „Discovery Art Fair“, die 2018 erstmals an der Messe Frankfurt stattfand. Das Risiko zahlte sich aus. Neben zahlreichen Bildverkäufen entdeckte sie die Künstlerin Susanne Storch. So pragmatisch und energisch wie die Galeristin ist, hat sie Storchs Gemälde bereits erfolgreich ausgestellt und vermittelt.

Gerne arbeitet sie mit jungen Künstlern zusammen. „Die junge Künstlergeneration weiß genau, wie sie sich positioniert“, lobt sie. Wer in ihrer Galerie vertreten ist, darf sich neben echter Kunstbegeisterung auch über ihr Verkaufstalent freuen. „Allein zu den Vernissagen nehmen oft über 100 Gäste teil“, berichtet sie.

Barbara von Stechow – genießt die Kunst und das Leben (in ihrer aktuellen Ausstellungen – hier vor einem Gemälde von Wulf Winckelmann)
Barbara von Stechow – genießt die Kunst und das Leben (in ihrer aktuellen Ausstellungen – hier vor einem Gemälde von Wulf Winckelmann)

Stolz ist sie auf ihre Familie, zu der mittlerweile vier Söhne nebst Schwiegertöchtern, vielen Enkelkindern auch ein neuer Ehemann zählen. Seit langem ist sie in zweiter Ehe mit Hans B. Ullrich, dem Inhaber des Gourmettempels Kronenschlösschen und Macher des Rheingau Gourmet Festivals verheiratet. Doch wenn sie Zeit hat, kocht sie für die Familie. Mit Leidenschaft probiert sie dann ebenso kreative wie anspruchsvolle Rezepte aus, „entweder Fisch in der Salzkruste oder ein Landhuhn.“

Egal, für welches Menü sie sich am 30. August entscheiden wird, wir sind überzeugt, dass es trefflich gelingt. Dann wird sie im Kreis der Familie auf ihren 60. Geburtstag anstoßen, zu dem wir herzlich gratulieren. Barbara von Stechow erweitert die Runde solch illustrer 60er, zu der auch Madonna, Jamie Lee Curtis und Emma Thompson zählen. Was wünscht sich die Erfolgreiche? Sie ist bescheiden, aber ein Abendessen mit Bob Dylan dürfte es schon sein.

Weitere Informationen zur Galerie unter www.galerie-von-stechow.com

Galerie Barbara von Stechow
Feldbergstraße 28
60323 Frankfurt am Main

bis zu 10 Ausstellungen jährlich Teilnahme an diversen Kunstmessen zeitgenössische und figurative Kunst sowie Skulpturen und Fotografien bekannte amerikanischer Künstler wie Joe Stefanelli, Tom Christopher und David FeBland vertritt über 30 Künstler