Nicolas de Staël – eine berauschende Ausstellung in Aix-en-Provence

Auch die Betrachter sind im  Farbenrausch gekleidet:-)
Auch die Betrachter sind im
Farbenrausch gekleidet:-)

Liebe Kunstfreunde,

heute, am 25. August 2018 lesen wir im Kunstteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass ein Stillleben des Malers Nicolas de Staël aus dem Jahre 1953 einen extraordinären Preis erzielte. Das Stillleben „Fleurs“ wurde in diesem Sommer bei Christie‘s auf 3,5 bis 5,5 Millionen Euro taxiert und erreichte einen Verkaufswert von 7,2 Millionen Euro! Wir gratueliren dem stolzen Besitzer, auf den wir durchaus ein wenig neidisch sind.

Der Besuch einer beachtlichen Präsentation seiner Werke vermag vielleicht etwas zu trösten. Noch bis zum 23. September 2018 findet in Aix-en-Provence die Ausstellung „Nicolas de Stael“ statt, in der über 70 seiner Meisterwerke aus seinem letzten Jahr gezeigt werden.

Aix-en-Provence und das „Hotel de Caumont“

Falls ihr nach Aix-en-Provence reist, solltet ihr unbedingt die historische Altstadt anschauen. Doch zunächst besucht das zentral gelegene Kulturzentrum, das „Hotel de Caumont“ und die beeindruckende de Staël-Ausstellung. Das im 17. Jahrhundert errichtete Gebäude, das auf eine bewegte Geschichte und ebenso abwechslungsreiche Nutzung zurückblickt, wurde im Jahr 2013 von „Culturespace“ erworben,  liebevoll renoviert und steht jetzt der Allgemeinheit als Kulturzentrum mit Ausstellungshalle, einem kleinen Theater und einem wunderschönen Gärtchen mit Café zur Verfügung.

Der Aufgang
Der Aufgang
Das Cafe
Das Cafe
Garten
Garten

 

Nicolas de Staël

Der 1914 in Sankt Petersburg/ Russland geborene Künstler wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern bei vermögenden Verwandten in Belgien auf und studierte in Brüssel Kunst. Bereits als 20-Jähriger erhielt er für seine Werke Auszeichnungen. Orientierte er sich zunächst an Picasso, El Greco und an Cézanne, begeisterte er sich früh für die abstrakte Malerei, die insbesondere in den USA Triumphe feierte, bis sie sich schließlich in den 50er Jahren in Europa durchsetzte. Doch schon früh suchte er in seinem bildnerischen Werk eine Synthese von figurativer und abstrakter Malerei herzustellen.

 

Paysage, 1953
Paysage, 1953

Gegen den Strom der Zeit

Als Künstler schwamm er sozusagen stets „gegen den Strom“, gegen vorherrschende Kunsttrends. Das  abstrakte Frühwerk erschien seinen Zeitgenossen zu avantgardistisch und seine spätere Anlehnung an figurative Kunst erfolgte zu einer Zeit, in der nahezu ausschließlich abstrakte Kunst anerkannt wurde. Der Maler verstarb 1955 mit nur 41 Jahren durch Selbstmord, was Kunsthistoriker und Biografen auf mangelnde Anerkennung seiner Kunst und eine unglückliche Liebesbeziehung zurückführen.

Bateaux rouges, 1954
Bateaux rouges, 1954

Ungeheure Produktivität im Jahre

Seine letzten Lebensjahre, in denen er ein Atelier im provenzalischen Ménerbes unterhielt, waren äußerst produktiv. So entstanden innerhalb von nur 15 Monaten vor seinem Tod 254 Gemälde. Über 70 davon, die als seine besten bewertet werden, kann man in der aktuellen Ausstellung in Aix-en-Provence bewundern. Neben Stilleben und Aktdarstellungen beeindrucken Landschaftsdarstellungen. Sie offenbaren seine Faszination an der  Landschaft der Südens, neben der Provence entdeckt man auch einige sizilianische Impressionen. Selten sah man diese Landschaften mit wenigen Linien und satten Farben so markant in Szene gesetzt. Obwohl bei den zumeist großflächigen Gemälden eine abstrakte Farbigkeit dominiert, gleicht jedes Gemälde einem Porträt eines individuellen Landschaftsausschnittes. Hier hat sich die Farbe in die Landschaft eingegraben, ein Stückchen Provence herausgerissen und auf die Leinwand gebannt. Der Betrachter erlebt beides: eine ungeheure individuelle Annäherung an die Provence und zugleich eine abstrakte, typisierte Darstellung. Bilder, die man nicht vergessen wird.

Ein Reisetipp: Das zauberhafte provenzalische Hôtel Villa Provençale, das ganz in der Nähe von St. Tropez im schönen Cavalaire-sur-mer gelegen ist, hat noch bis Ende September 2018 geöffnet. Anreise nach Aix-en-Provence ca. 1 ½ Stunden mit dem Pkw. Weitere Informationen: hotelvillaprovencale.com/de/

Nature morte à Ménerbes, 1953
Nature morte à Ménerbes, 1953
Marseille, 1954
Marseille, 1954

 

Fazit

Wir empfehlen, diese kostbaren Meisterwerke der Kunst, die aufwendig und liebevoll aus Museen und aus privaten Sammlungen zusammengetragen wurden, zu genießen. Noch ist das in Aix-en-Provence bis zum 23. September 2018 möglich.

 

Wir bedanken uns bei Hotel Caumont/ Culturespace für die freundliche Genehmigung, einige der ausgestellten Bilder fotografieren zu dürfen. Wir verweisen auf den Ausstellungskatalog mit seinen anspruchsvollen Abbildungen.

Der liebevoll aufbereitete Ausstellungskatalog, der in englischer und französischer Sprache, kostet Euro 29.

 

Weitere Informationen:

www.caumont-centredart.com/fr/nicolas-stael-en-provence

www.arte.tv/de/videos/082586-000-A/nicolas-de-stael-im-licht-der-provence/

http://boutique-culturespaces.com/fr/catalogues-d-exposition-/1294-catalogue-nicolas-de-stael

www.caumont-centredart.com/fr/nicolas-stael-en-provence

Ein Gedanke zu „Nicolas de Staël – eine berauschende Ausstellung in Aix-en-Provence

  1. Alfred Lachauer Antworten

    Am 5.September und nochmals am 9.September habe ich die Ausstellung mit den Bildern und Zeichnungen von Nicolas de Stael besucht. Seine Werke sind unvergleichlich, sehr eigenständig in der Formung der Farbigkeit, einfach wunderbar. Die Zeichnungen sind ein ganz besonderes Erlebnis. Zurück in München habe ich in der grafischen Sammlung nachgefragt und bin fündig geworden: ein kleines sehr schönes Litho von 1948.
    Schade, dass in Deutschland nur wenige Bilder von ihm in öffentlichen Sammlungen zu finden sind. So war für mich der Besuch im Hotel Caumont ein einzigartiges Erlebnis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.